winzigweiches Apfelmus

Die Arbeitsplätze in meinem letzten Büro waren allesamt mit iMacs bestückt, und sowohl der Chef als auch die Mehrheit der Belegschaft stellten sich als strenge Verfechter der Apple-Philosophie (und PC-Hasser) heraus. Als ich dort anfing, war ich nur im Umgang mit Windows XP geübt, hatte aber auch keine Probleme, mich an den Mac zu gewöhnen. Völlig vorurteils- und erwartungsfrei habe ich versucht, die Besonderheiten dieses Betriebssystems zu begreifen und letztlich für mich den Vergleich anzustellen, was ich besser finde. Vielleicht haben die allzu scharfen und in meinen Augen völlig realitätsfernen Pauschalangriffe der Kollegen gegen Windows dazu geführt, dass sich in meinem Innersten langsam das Bedürfnis formte, es zu verteidigen. Ich meine, effektiv arbeiten kann man mit beiden Systemen, genauso haben beide ihre Schwächen. Wenn man aber einmal Windows-Logik gewöhnt ist, empfindet man den Mac auch schnell als ziemlich unkomfortabel und umständlich, einfach nicht intuitiv. Allein die Navigation im Ordnersystem: das Spaltendesign verkürzt die Dateinamen auf ein paar Zeichen, was bei Dateien mit vorangestelltem Datum keinen Spaß macht, weil vom eigentlichen Titel nur ein paar Buchstaben zu sehen sind, so dass man jedes Mal erst die Spalte größer ziehen muss, und wenn man dann den Ordnerinhalt nach dem Datum der letzten Änderung oder Dateityp sortieren möchte, muss man auch erst irgendwo klicken. Ich empfinde einfach den Windows Explorer mit der Baumstruktur links und dem Ordnerinhalt rechts als sehr viel übersichtlicher.
Außerdem fand ich es immer verwirrend, dass geöffnete Programme keineswegs bildschirmfüllend sind, sondern meist irgendeine Werkzeugpalette eines anderen Programms (bzw. mehrerer verschiedener Programme) im Hintergrund hervorblitzt. Ein falscher Klick zwischen Hauptfenster und Palette, und man findet sich unwillkürlich im Mailprogramm wieder. Wer braucht sowas? Ich hab meine geöffneten Programme gern sichtbar unten in der Leiste und hole sie mir nach vorne, wann ich will.

Nun bin ich ja grundsätzlich ziemlich mainstreamig veranlagt und fühle mich in der Außenseiterrolle nicht besonders wohl. Angefangen bei Kleidung und Haarschnitt über Musik, Essen und Wohnungseinrichtung bis hin zur Politik. Es ist eher selten, dass mich eine Sache wirklich so begeistert, dass es mir wirklich von Herzen scheißegal ist, was andere davon halten und es im Notfall bis aufs Blut verteidigen würde (z.B. die Musik von Billy Joel). Oder wo ich sicher bin, dass ich sowas nie nie nie anziehen werde, egal wie modern es grad ist. Meistens lasse ich mich wirklich gerne auf kontroverse Diskussionen ein und ändere meine Meinung, wenn mich jemand/etwas überzeugt, oder wenn man es mir lange genug vor die Nase hält, bis ich mich daran gewöhnt habe (wie seinerzeit die Hüfthosen).

Was mir aber wirklich nicht einleuchtet (und worauf ich hinaus will) ist, wie man gegen Windows wettern kann mit der Begründung, es sei so allmächtig, so weit verbreitet, man wolle Herrn Gates nicht noch reicher machen und überhaupt: sich von der dummen Mainstream-Masse abgrenzen.

Wo bitte ist der Unterschied im Geschäftsgebaren des Herrn Jobs? Jeder Heinz hat doch inzwischen einen iPod und alle finden das iPhone toll. Mir ist das sehr suspekt, wie blind alle bei diesem Apple-Hype mitmachen und dann noch argumentieren, man sei wohl geistig zurückgeblieben, wenn man ernsthaft Windows verteidigt. Ich finde es nur natürlich, dass auch Herr Jobs mit seinen Produkten Geld verdienen möchte; und dass sie die ersten waren, die begriffen haben, dass das Auge nunmal mitisst beim Arbeiten, und die viel Wert auf das Design und die Haptik ihrer Geräte legen, möchte ich ihnen gar nicht streitig machen. So kann sich doch jeder das raussuchen, was ihm gefällt und womit er am besten zurecht kommt.
Aber sobald das ganze den Charakter einer Sekte Glaubensgemeinschaft bekommt, muss selbst ein Mainstreamer wie ich davon Abstand nehmen.

Vielleicht würde ich auch das Logo zukleben, wenn ich denn überhaupt ein Apple-Produkt hätte :-)

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